Hinweise zum Impfen von Hühnern
Hinweise zum Impfen von Hühnern
zusammengetragen von Harald Koska


Nachdem ich in den vergangenen Jahren immer wieder Tierverluste durch verschiedene Krankheiten erlitten habe (meist nachdem die Tiere auf Großschauen gewesen sind), stelle ich an dieser Stelle die häufigsten Erkrankungen und mögliche Behandlungen sowie einen Impfplan vor, der schon von anderen Züchtern mit Erfolg angewendet wird.

Da wir unsere Tiere, im Gegensatz zur Intensivhaltung der Großbetriebe, nicht von möglichen Erregern abschirmen können (Kontakt zu Fremdtieren auf Schauen, Eingliederung von Fremdtieren in unsere Herden, permanente Haltung von Tieren auf den gleichen Böden, Kontakt zu Vögeln, Wildgeflügel, Ratten und Mäuse), müssen wir der Gesundheit unsere besondere Aufmerksamkeit widmen. Dazu gehört eine gewisse Hygiene in Stall und Auslauf, sowie eine Tierzahl die nach unserer Ansicht als artgerecht anzusehen ist und nicht an die Intensivhaltung der Großbetriebe erinnert. Ebenso gehört dazu, daß Tiere aus einem Bestand, der erkrankt ist, zu Hause bleiben und nicht mit Medikamenten kurzfristig "schaufertig" gemacht werden.

Zu unterscheiden sind virus-bedingte Erkrankungen gegen die vorbeugend geimpft werden muss, und bakterielle Erkrankungen gegen die wir mit Medikamenten vorgehen können, sowie Parasiten die im und auf dem Tier leben. Oftmals treten zwei oder drei Erkrankungen parallel auf, sodass es für den Laien oder auch den Tierarzt, der nicht regelmäßig mit Geflügel zu tun hat, schwierig ist, die richtige Behandlung zu wählen.

Zu den virus-bedingten Erkrankungen gehören:

  1. Die Infektiöse Laryngotracheitis (ILT) mit Verlusten von bis zu 50%.

    Inkubationszeit: 4-15 Tage durch direkte und indirekte (Tränke) Kontakte
    Symptome: schwere Atemnot, Tiere stehen senkrecht (Pinguinhaltung), Köpfe und Augen schwellen an, Augen verkleben, Kloake ist entzündet, Tiere schlenkern mit dem Kopf und verteilen blutigen Schleim in der Umgebung
    Prophylaxe: Impfen der Jungtiere und der Alttiere 1-2 mal im Jahr, der Impfstoff wird als Augentropfen verabreicht
    Behandlung: ist die Erkrankung ausgebrochen ist eine Behandlung nicht mehr möglich, noch nicht akut erkrankte Tiere können evtl. mit einer Notimpfung gerettet werden. Erkrankte Tiere können mit Antibiotika vor Sekundärinfektionen geschützt werden. Der Erreger kann im Körper nach einer überstandenen Erkrankung mehr als 400 Tage infektiös bleiben und für eine Neuinfektion nicht geimpfter Tiere sorgen.


  2. Mareksche Geflügellähme mit Verlusten von über 50%

    Inkubationszeit: 2-6 Wochen und länger.
    Der Erreger ist in 3 Typen weltweit in fast allen Hühnerbeständen nachweisbar und kann jederzeit bei nichtgeimpften Tieren ausbrechen, die Übertragung findet durch eingeatmeten Federstaub statt.
    Symptome: Bei der klassischen Form kommt es zu entzündlich-degenerativen Veränderungen im Gehirn und den peripheren Nerven. Erkennbar als schlaffe Lähmung der Flügel und Beine, selten Hals, Kropf oder Kloake.
    Die Augenform tritt nur bei Alttieren auf und führt zur dauerhaften Erblindung. Bei der dritten Form bilden sich Tumore an Lymphen, Drüsenmagen oder anderen Organen.
    Prophylaxe: Impfung der Eintagsküken bei der die Mindestdosis unbedingt eingehalten werden muss
    Behandlung: Ist die Erkrankung ausgebrochen, ist eine Behandlung nicht mehr möglich.


  3. Die Infektiöse Bronchitis (AIB) mit Verlusten von bis zu 25% bei Küken, Junghennen und Alttiere zeigen selten Symptome. Die Erkrankung tritt bei Hühnern und Fasanen auf.

    Inkubationszeit: 18-36 Stunden durch virushaltigen Staub oder Tröpfchen, die durch den Wind auch über größere Entfernung verteilt werden können
    Symptome: Küken zeigen schwere Atemnot, Nasenausfluss, Husten, Niesen, verminderte Lebhaftigkeit, hohes Wärmebedürfnis, geringer Futterverzehr, ältere Tiere zeigen Leistungsabfall durch Futterverweigerung und dünnschalige, deformierte Eier
    Prophylaxe: 2 maliges Impfen der Jungtiere mit unterschiedlichen Impfstoffstämmen und der Alttiere 3-4 mal im Jahr,
    der Impfstoff wird über das Trinkwasser verabreicht.
    Behandlung: ist die Erkrankung ausgebrochen ist eine Behandlung nicht mehr möglich. Erkrankte Tiere können mit Antibiotika vor Sekundärinfektionen geschützt werden. Auf optimale Belüftung und erhöhte Wärmezufuhr achten


  4. Die Infektiöse Bursitis (IBD) Gumboro mit Verlusten bis 90% der Jungtiere

    Inkubationszeit: 2-3 Tage
    Symptome: Küken zeigen ähnliche Symptome wie bei einer Kozidiose (Die Tiere sind zunächst unruhig, später ruhig, haben Durchfall, nehmen kein Futter mehr auf und verenden an Erschöpfung oder inneren Blutungen)
    Prophylaxe: 2-maliges Impfen der Jungtiere mit 3-4 Tagen und einer Wiederholung nach 3-4 Wochen und jährlich vor dem Legebeginn; der Impfstoff wir über das Trinkwasser gegeben
    Behandlung: ist die Erkrankung ausgebrochen, ist eine Behandlung nicht mehr möglich. Erkrankte Tiere können mit Antibiotika vor Sekundärinfektionen geschützt werden. Auf optimale Belüftung und erhöhte Wärmezufuhr achten.


  5. Für die Newcastle-Krankheit (NK) (Atypische Geflügelpest) besteht eine allgemeine Impfpflicht

  6. Die Aviäre Encephalomyelitis (AE) bekannt als Zitterkrankheit ist eine Erkrankung des Zentralnervensystems mit einer Sterblichkeit von über 70%. Da eine Behandlung nicht möglich ist, wird empfohlen, dagegen zu impfen.

Zu den durch Endoparasiten (im Tier lebende) verursachte Erkrankungen gehören:

  1. Die Histomonose (Schwarzkopf-Krankheit)

    Inkubationszeit: 2-4 Wochen, besonders Jungtiere, aber auch Alttiere
    Symptome: Mattigkeit, hängende Flügel, fehlende Gefiederpflege und Futterverweigerung. Erkrankte Tiere zeigen schwefelgelben Durchfall und ältere Tiere blauschwarze Verfärbungen der Kopfanhänge (Kamm, Kehllappen)
    Prophylaxe: da der Erreger bis zu 4 Jahre in Fadenwurmeiern (Heterakiseier)überleben kann, sind diese zu bekämpfen (siehe Nematoden)
    Behandlung: neuere Präparate durch den Tierarzt erfragen, da es sich um einen ähnlichen Erreger handelt der bei Tauben den "Gelber Knopf" verursacht, haben Mittel zu dessen Bekämpfung angeschlagen


  2. Die Kokzidiosen:

    Inkubationszeit:  
    Symptome: Mattigkeit, unausgeglichenes Wachstum, hängende Flügel, fehlende Gefiederpflege, erkrankte Tiere zeigen Durchfall, verklebte Kloake.
    Prophylaxe: da der Erreger in der Außenwelt Sporen bilden muss, um infektiös werden zu können und anschließend durch verschmutztes Futter oder Kot wieder aufgenommen wird, ist eine Ausrottung des Erregers nicht möglich
    Behandlung: entweder vorbeugend über einen Futtermittelzusatz "Antikokzidia" im Kükenfutter oder medikamentöse Behandlung bei Ausbruch über das Trinkwasser. Die vorbeugende Gabe über das Futter hat auf Dauer eine Erregerresistenz zur Folge, der man mit einem Wechsel des Präparates entgegensteuern muss. Dieses ist schwierig, da man beim Kauf von Fertigfutter keinen Einfluss auf das Präparat hat. Die vielleicht sinnvollere Methode ist die medikamentöse Behandlung nach Ausbruch der Erkrankung, denn dadurch kann eine gewisse Immunisierung erreicht werden. Als dritte Möglichkeit gibt es seit einiger Zeit eine sogenannte Impfung der Küken. Diese soll sehr erfolgreich, aber auch kostenintensiv sein.


  3. Die Nematoden (Würmer):

      Schmarotzer in Größen von 6 mm bis 11 cm, die beim Geflügel vom Rachen über Kropf, Schlund und Magen bis zu den Därmen vorkommen. Gemeinsam ist Ihnen, daß sie ihren Wirt schwächen, was zu Leistungsrückgang, Abmagerung und zum Tod führen kann. Der sichere Nachweis erfolgt durch eine Kotuntersuchung. Allgemein gilt das Überbesatz und feuchte Ställe und Ausläufe die Verbreitung begünstigen.
    Bereits erkrankten Tieren kann mit wirksamen Präparaten geholfen werden.


Zum Abschluss stelle ich nun einen Impfplan vor, der berücksichtigt, daß wir Rassegeflügelzüchter in der Regel mehrfach im Jahr Schlupf mit jeweils zwischen 20 und 100 Küken haben. Da die meisten Impfstoffe aber nur für 1.000 Tiere erhältlich sind, empfiehlt es sich, Brut- und Schlupftermine mit Vereinskollegen abzustimmen. Um Kosten zu sparen, ist es weiterhin möglich einige Impfungen nach Beendigung der Brutsaison für alle Küken und Elterntiere zusammen durchzuführen.

Da alle Impfviruspräparate sehr empfindlich sind, bedarf es bei Transport, Lagerung und Anwendung größter Umsicht. Zum Gebrauch angesetzter Impfstoff sollte im Eiswasserbad gehalten werden, um den Titerverlust möglichst gering zu halten, und in der vom Hersteller angegebenen Zeit verbraucht werden.

Wenn man bedenkt, was uns unsere Tiere im Jahr an Futter kosten und wie viel züchterische Leistung in den Zuchten steckt, sollte uns die Gesundheit unserer Tiere diese zusätzliche Finanzielle Belastung wert sein, zumal die Behandlungskosten die Impfkosten meistens um ein vielfaches übersteigen.



Persönlicher Impfplan

1. Tag Marek
3. - 4. Tag Gumboro und Wiederholung nach 3-4 Wochen
(Wenn im Abstand von drei Wochen gebrütet wird, kann die Wiederholungsimpfung der ersten Brut mit der Erstimpfung der zweiten Brut zusammen gelegt werden.)

oder 3.-4. Woche und Wiederholung nach 8-12 Wochen
und vor Legebeginn sollten die Elterntiere noch einmal mit einer Öl-Adsorbatvakzine geimpft werden
4 Wochen nach Schlupfende IB 1    (Typ: H 120)
8 Wochen nach Schlupfende IL T Wiederholung danach alle 6 - 12 Monate    (Augentropfen)
12 Wochen nach Schlupfende IB 2 Wiederholung danach alle 3 - 4 Monate    (Typ: H 52) (Trinkwasser)
 
Gegen NK (Geflügelpest) impfe ich die Jungtiere mit den Alttieren ab Mitte Juni und danach alle 3 - 4 Monate über das Trinkwasser.


Empfehlung der Impfstoffhersteller

IB:
3 - 4. Woche IB 1 (Typ: H 120)
10. Woche IB 2 (Typ: H 52) (Trinkwasser)
Wiederholung in der 16. Woche danach alle 3 - 4 Monate

IL T:
2 mal im Junghennenalter danach alle 6 - 12 Monate (Augentropfen)

Gumboro:
3. - 4. Tag und Wiederholung nach 3 - 4 Wochen oder
3. - 4. Woche und Wiederholung nach 8 - 12 Wochen (Trinkwasser)
vor Legebeginn sollten die Elterntiere noch einmaL mit einer Öl-Adsorbatvakzine geimpft werden

AE (Aviäre Encephalomyelitis):
Jungtiere nur in der 10. - 16. Woche
Elterntiere vor Legebeginn (Trinkwasser)



Der Impfplan stammt in seiner ursprünglichen Form von dem Antwerpener Bartzwergzüchter Meinolf Kriener (Rundschreiben der Antwerpener Bartzwergzüchter von 1996) und wurde von mir erweitert.
Die Beschreibung der Krankheiten stammt aus dem Fachbuch "Kompendium der Geflügelkrankheiten" von Otfried Siegmann (Verlag Paul Parey, Auflage 1993).



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